Du brauchst Personal!

 

Ich sitze in der Küche auf dem alten 
Dielenboden, der bei jeder Bewegung
knarrt. Dieses typische Altbau Geräusch 
erinnert mich an die Kindheit. 

Warum ich auf dem Boden sitze?
Der Küchentisch ist gerade unpässlich,
was viel besser klingt als überfüllt. 

Bleistift und Papier in der Hand,
also bestens vorbereitet, 
jetzt fehlt mir nur noch der eine Satz. 
Habe ich mir nämlich fest vorgenommen;
jeden Tag mindestens einen guten Satz.
Was nützen all die schönen Sätze
in Gedanken, wenn ich sie nie ausschreibe. 

Am Notebook funktioniert das (heute) nicht,
da kommt mir immer wieder Netflix in die Quere
und eben all die anderen vermeintlich geistreichen
Verlockungen in den unendlichen weiten des Internets. 

Das iPhone habe ich auch schon 
ausgemacht und im Schrank versteckt. 
Wo genau? Am besten sehe ich gleich nochmal 
nach...Nein! 
Will ja schließlich heute noch etwas 
zu Papier bringen.
Und bin ja im Grunde auch schon kurz davor. 
Gleich wird mich nichts mehr aufhalten, 
dann sprudeln die Wörter nur so aus mir heraus, 
wie versteckte Wasserquellen in Manhattan. 
Nur gut, dass ich gerade netzlos bin, 
sonst würde ich wohl genau jetzt 
Woody Allen googeln. 
Gerade will ich den Stift ansetzten...
da geht die Tür auf und Thomas kommt herein. 

Thomas: Was um alles in der Welt ist hier passiert? 
Ich: Hier wird Kunst geschaffen. 
Thomas: Ich sehe nicht, außer zahlloser weißer Blätter 
und überhaupt einem riesen Haufen Chaos.
Ich: Und aus dem Chaos entsteht Kunst. 
Thomas: Wenn du meinst...und was haben die ganzen 
Kaffeetassen und vor allem leeren
die Weinflaschen damit zu schaffen?
Ich: Das hättest du mal Bukowski fragen sollen! 
Thomas: Du bist aber nicht Bukowski und es 
wäre auch nicht wünschenswert, dass du so wirst wie er.
Ich: Warum denn nicht? 
Thomas: Weil er tot ist. 
Ich: Gutes Argument. Aber er war auch 74 Jahre alt, als
er das zeitliche segnete. Also mehr doppelt so alt wie ich. 
Und bei ihm standen gewiss mehr als "ein paar" leere
Weinflaschen im Raum. 
Thomas: Der hatte aber bestimmt auch Personal. 
Ich: Personal?! 
Thomas: Ja, du brauchst Personal! 
Während er das sagt, bewegt er seinen Kopf hin und her,
so als würde er ein Tennismatch verfolgen. 
Ich drehe mir derweil erst einmal eine Zigarette,
dabei folge ich seinen Blicken und frage mich,
wer zum Teufel all diese Sachen hier abgestellt hat. 
Am meisten wundere ich mich über zwei schwarze Socken,
eine liegt auf dem Tisch und eine auf der Anrichte.
Seltsam, seltsam...
Ich werfe die halb gerauchte Zigarette 
gedankenverloren in eine 
der herumstehenden Kaffeetassen.
Vergeblich warte ich auf den sonst 
so vertrauten Zischlaut. Tom zieht 
eine Augenbraue hoch und runzelt die Stirn,
dann setzt er erneut an: 

Schlimm genug, dass du die Kaffeetassen als 
Ascher nutzt, aber noch erbärmlicher ist,
dass sie wohl schon so lange hier rumstehen,
dass selbst der Kaffeesatz vertrocknet ist. 

Bei dem Wort Kaffeesatz fällt mir wieder ein,
was ich eigentlich vorhatte...

Ich werde mich später darum kümmern...
Jetzt muss ich erst einmal den einen 
guten Satz schreiben, aber ich komme 
ja hier zu nichts, wenn ich ständig
abgelenkt werde.
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Autor: Phasenwaise

Vollende gerade meinen ersten Roman "Der Sehnsucht Wegen" und würde mich über Zuschriften von Verlagen freuen. Sie werden es sicher nicht bereuen. Schreiben ist für mich Lebensäußerung. Da sitzt man nun still in seinem Kämmerlein und sortiert Buchstaben, formt daraus Wörter, wie der Bäcker aus Teig ein Brot zu formen versucht. Doch der klare Vorteil des Bäckers ist, dass er sogleich nach Vollendung des Form und Backprozesses eine Resonanz bekommt. Wird das Brot munden oder nicht. Das ist es. Der vermeintliche Schreiberling, schreibt und schreibt bis alle Tage, verwirft alles wieder. Fängt neu an und wiederholt diesen Vorgang immer wieder.

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