Feelings aus der Asche

Die leeren Pizzakartons 
türmen sich an der Wand, 
reichen den stehengelassenen 
Weinflaschen und  
Kaffeetassen die Hand. 

Ich sitze auf dem unbequemen 
Plastiksessel von Ikea, 
weil das der einzige Platz
ist, der noch halbwegs frei ist,
davor hab ich die zuvor mit Zeitungen 
vollgestapelte Orangekiste umgedreht,
die so auch erst mal ganz gut 
als Tisch durchgeht.

Darauf liegt ausnahmsweise nichts,
außer weißes Papier,
ich halte den Stift in der linken
und eine Kippe in der anderen Hand. 

Weiß schon gar nicht mehr, 
wann es angefangen hat aufzuhören,
mit dir und danach auch mit mir.  

Weiß noch, wie du 
immer sagtest;
das Glas ist halbvoll 
und nicht halbleer. 
Doch, 
anstatt, dass du gegangen
bist, kamst du einfach 
nicht mehr her. 

Oder war ich es,
der ging, weil ich mehr 
an der Freiheit, 
als an dir hing. 

Ich will nur, 
dass du weißt,
dass ich weiß 
was ich will.

Bringe diesen Satz 
nun schon zum wiederholten
mal zu Papier und hoffe,
dass ich ihn irgendwann 
selbst glauben werde. 

Ich nehme einen Schluck
Instant Kaffee, 
er ist kalt.

Instant Kaffee 
Instant Life. 

Bevor die Glut
gleich wieder zu Boden
und zur übrigen Asche fällt,
zerfällt, schnippe ich sie 
in den Kaffeebecher 

Und als es dann leise zischt, 
frage ich mich, 
ob es das jetzt war, 
dieses Licht, 
welches angeblich 
niemals erlischt. 
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Wenn es gut ist

Ich war 
immer der Wanderer
im Nebelmeer. 
Doch plötzlich 
ist da kein Nebel mehr. 

Und jetzt 
ist alles, 
was vorher 
nur als entfernte
Silhouette zu erahnen war, 
unmittelbar
spür und fassbar.
Sehe zum ersten mal
alles klar.

Kein müssen mehr
und sollen
und vor allem 
nicht wie sonst,
dieses beklemmende
Gefühl woanders 
sein zu wollen.

Er ist weg,
der sonst
wie Herbstlaub
an mir haftende Gedanke:
 
Was nützen mir Flügel,
wenn ich den Wind 
nicht spüren kann!

Ich hab dich nicht gesucht, 
doch gefunden 
und wir sind
wie zwei offene Enden
miteinander verbunden. 

Ich erhebe mich.
Du siehst mich
mit großen Augen an:
Wo willst du hin?!

Nirgendwo! 
sage ich.

Ich bin da,
solange 
du auch da bist.

Behind Closed Doors

Ich bin draußen.
Stehe vor deiner Tür.
Fühlt sich an, 
als wäre ich 
Lichtjahre entfernt 
von dir.

Du bist hinter der Tür.
Spüre, wie mir plötzlich
salzig schmeckende Tropfen
über die Wange rinnen.

Höre, wie es drinnen scheppert,
du wohl wieder am umräumen 
und aussortieren bist.
Immer irgendwas zu tun. 
Und, wie du immer sagst
du hast keine Zeit zu ruhen. 

Vielleicht mit einer der Gründe,
warum ich jetzt hier draußen
und nicht da drinnen,
bei dir. 

Wie eine unbezwingbare Mauer
erscheint sie mir,
die sonst immer schwer zu schließende
alte Eichentür.

Höre, wie dein Telefon klingelt
und halte den Atem an,
dann gehst du dran.
Stille!
Dann höre ich dich lachen.
Doch nicht ich bin es, 
der dich zum lachen bringt.
Nicht mehr. 

Ich gehe jetzt,
denke ich 
und halte noch einen Moment inne.
Dann klingelt mein Telefon.
Ich schaue aufs Display,
bevor ich sehen kann, 
wer es ist...
schon zu spät.
Das Display ist schwarz.
Der Akku ist leer!

Liebe!

Eine Frage, 
die uns wohl alle 
zeitlebens 
immer wieder erneut
aufwühlt, bewegt 
zu Boden wirft
und wieder aufhebt...

Wohin sie geht, 
wenn sie unversehens
verschwindet,
wie eine Feder,
die der Wind 
mit sich trägt.

Urplötzlich 
ist sie weg, 
Zuvor 
konntet ihr kaum
voneinander lassen. 
Und dann 
sprecht ihr davon,
dass es 
unausweichlich ist 
einander zu verlassen. 

Gerade hieß es noch,
erst durch Dich 
ergibt mein Leben
einen Sinn. 
Und gefühlt einen
Windhauch später: 
Ich werfe alles hin. 

Wie ist das möglich? 
Erst 
Einssein 
ja, vielleicht 
sogar daran denken, 
es könnte ein 
"für immer" sein, 
bis zu dem Gefühl 
gemeinsam allein zu sein. 
Aber genau 
das ist es wohl,
was Sie so besonders 
und unvergleichlich macht, 
dass man eben noch,
wie ein gebranntes Kind
das Feuer scheut, 
und sich 
im nächsten Moment 
wie ein Schneekönig 
des Lebens freut. 

Und so 
werden wir sie 
wohl immer wieder 
finden, verfluchen 
und im nächsten
Augenblick wieder
sehnsüchtig 
nach ihr suchen.

Und selbst dann, 
wenn ich wüsste, 
dass am Ende
nichts davon 
übrig bliebe,
gibt es wohl
nichts anderes,
wofür es sich 
so sehr 
zu kämpfen lohnt, 
wie für die Liebe.

 

Fensterschatten

Ich schreie so lange deinen Namen 
bis ich in der Eiseskälte erfriere
oder du endlich das Fenster öffnest.

Im Grunde ist es mir egal,
ob ich hier draußen erfriere.
Tod bin ich sowieso schon
oder zumindest innerlich erkaltet. 

Da stehe ich nun
seit gefühlten Stunden 
und spähe hoch 
zu den beiden kleinen Dachfenstern, 
die ich zuvor vor allem von innen kannte.
Gleich dahinter steht dein Bett, 
indem wir so viele Stunden gemeinsam verbrachten
und an nichts, außer uns beide dachten. 

Wie lange ich wohl noch warten muss,
bis die Stunden hier draußen 
die Stunden drinnen überwiegen.
Bin ich dann endlich frei? 

Dachte ich doch, 
dass ich ihn endlich gefunden habe,
den Ort wo ich hingehöre,
den Platz wo ich niemanden störe.

Und jetzt, ja jetzt sehe ich die
Schatten hinter den Fenstern 
und keiner davon bin ich. 

Bist du es?
Oder noch viel wichtiger, 
wer liegt da neben,
oder gar auf oder unter dir,
während ich hier stehe und warte.
Auf was warte ich eigentlich?
Auf Dich, auf mich
zu lange gewartet. 

Das Licht geht aus. 
Und ich bin immer noch nicht erfroren. 
Ist wohl gar nicht so einfach,
denke ich mir 
und mache mich weiter auf den Weg.
Wohin? 
Das weiß ich noch nicht. 
Nur weiter. 
Bis ich irgendwann wieder 
vor (D)einem Fenster stehe 
und das Licht die Schatten bricht.