Das Fremde

Die größten Gefahren 
sind eben nicht 
immer jene, 
die vermeintlich
hinter den eigenen 
vier Wänden,
oder den 
mit Trampolin bestückten
akribisch gepflegten
Gärten lauern, 
viel gefährlicher 
sind zuweilen jene, 
die mit brettern 
vor den Köpfen 
davor lauern.  

Sie mauern sich ein,
dann fühlen 
Sie sich geschützt 
und sind allein. 

Unter ihresgleichen.
Und auch,
wenn sie sich
im Grunde 
selbst nicht leiden können,
immer noch besser,
als alles Fremde,
was sie nicht kennen.  

Und natürlich 
können sie 
fremde Menschen leiden,
solange Sie nur 
fremde Menschen 
bleiben.

 

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Rebell

Ich erinnere mich
noch daran, 
da schrie er lauthals, 
niemals und unter 
keinen Umständen, 
reihe er sich
in dieses menschenunwürdige 
kapitalistische System ein. 
Und jetzt,
gibt es für ihn nichts 
wichtigeres, 
als jeden Morgen
noch vor 
allen anderen Kollegen 
im Büro zu sein. 

Noch vor 
ein paar Jahren, 
war er bei jeder Demo 
ganz vorne mit dabei.
Heute fährt er 
höchstens mal 
mit seinem 
frisch gewachsten 
SUV daran vorbei. 

Früher 
wünschte er sich, 
Teil einer 
Jugendbewegung zu sein!
Heute beklagt er sich 
über mangelndes 
Nationalbewusstsein. 

Und ja, 
vielleicht 
klingt das jetzt 
ein wenig vermessen, 
aber nur, 
weil man "erwachsen" ist, 
muss man noch lange nicht
all seine Ideale vergessen!

Insomnia

Es ist 4.30 Uhr
der Tag 
ist noch nicht, 
aber ich nunmehr 
schon seit 
drei Tagen wach.

Das Kopfkino 
ist mal 
wieder lauter,
als der Wille 
zum Schlaf.

Aus dem Fenster schauen,
draußen,
wie auch drinnen 
beginnt das  
Morgengrauen.

Da hilft 
nur noch aufstehen
und raus gehen
fahren, fahren
auf der Autobahn. 
Aus der Dunkelheit
in die 
einzige Wirklichkeit,
die Einsamkeit. 
Wie vernebelt 
fahre ich,
durch die 
zuerst vertraut 
und dann immer 
mehr befremdlich 
wirkenden Straßen,
höre den Regen,
wie Nadelstiche 
gegen die Scheibe prasseln.

Für einen Moment 
denke ich,
der Nebel lichtet sich,
doch die innere schwärze
nimmt mir das Licht. 

Halte das Lenkrad fest
in der einen und 
Kaffee und Kippe
in der anderen Hand. 

Und was, 
wenn man einfach
unaufhörlich 
den Atem anhält,
weil allein
der Tod 
den Zeiger 
wieder zurück
auf Null stellt. 

Wir haben nichts
zu verlieren,
außer unserer Angst. 

Halte das Lenkrad fest,
mach die Augen zu,
zähle langsam 
bis drei. 
Vor meinem Inneren Auge
zieht mein Leben
an mir vorbei.

Totale Finsternis! 
Spüre, wie mein
Herz schlägt
und in diesem
Moment ist da 
irgendwas, 
was mich 
zum öffnen
der Augen bewegt. 

Im Bauch 
wächst die Wut.
War das jetzt  
mein freier Wille, 
oder doch nur
der fehlende Mut. 

Und ja, 
ich weiß, 
Depression
war und wird 
nie tragbar,
aber sie 
steht uns 
doch so gut. 

Da kannst du
noch so viele
Traumfänger knüpfen,
sie mir 
wie ein Mahnmal 
an den Rückspiegel hängen
ich werde doch nicht 
in deine 
Haus, Hund und Garten 
Rolle schlüpfen. 

Du sagst immer, 
mach die Augen auf,
du musst endlich anfangen,
nach vorne zu schauen. 
Doch damit hat er 
überhaupt erst begonnen,
der einen von innen 
zermürbende Alptraum!

Feelings aus der Asche

Die leeren Pizzakartons 
türmen sich an der Wand, 
reichen den stehengelassenen 
Weinflaschen und  
Kaffeetassen die Hand. 

Ich sitze auf dem unbequemen 
Plastiksessel von Ikea, 
weil das der einzige Platz
ist, der noch halbwegs frei ist,
davor hab ich die zuvor mit Zeitungen 
vollgestapelte Orangekiste umgedreht,
die so auch erst mal ganz gut 
als Tisch durchgeht.

Darauf liegt ausnahmsweise nichts,
außer weißes Papier,
ich halte den Stift in der linken
und eine Kippe in der anderen Hand. 

Weiß schon gar nicht mehr, 
wann es angefangen hat aufzuhören,
mit dir und danach auch mit mir.  

Weiß noch, wie du 
immer sagtest;
das Glas ist halbvoll 
und nicht halbleer. 
Doch, 
anstatt, dass du gegangen
bist, kamst du einfach 
nicht mehr her. 

Oder war ich es,
der ging, weil ich mehr 
an der Freiheit, 
als an dir hing. 

Ich will nur, 
dass du weißt,
dass ich weiß 
was ich will.

Bringe diesen Satz 
nun schon zum wiederholten
mal zu Papier und hoffe,
dass ich ihn irgendwann 
selbst glauben werde. 

Ich nehme einen Schluck
Instant Kaffee, 
er ist kalt.

Instant Kaffee 
Instant Life. 

Bevor die Glut
gleich wieder zu Boden
und zur übrigen Asche fällt,
zerfällt, schnippe ich sie 
in den Kaffeebecher 

Und als es dann leise zischt, 
frage ich mich, 
ob es das jetzt war, 
dieses Licht, 
welches angeblich 
niemals erlischt. 

This House Is Not A Home

Es fühlt sich so an,
als säßen wir mitten im
gleißenden Sonnenlicht,
Keine Sonnenbrille zur Hand
und kein Schatten in Sicht. 

Dir steht die Überzeugung 
ins Gesicht geschrieben.
Du hast mich rechts überholt,
doch ich bin dabei 
irgendwie auf halber Strecke 
liegen geblieben. 

Du solltest doch 
zumindest ansatzweise spüren, 
dass ich mich fühle,
wie der letzte große Wal,
der versucht verzweifelt
aufzutauchen um ein wenig
Luft zu holen,
aber weit gefehlt, 
du denkst gar nicht daran,
also halte ich weiter aus 
und die Luft an.  

Du deutest mit 
mit dem Zeigefinger auf mich 
und sagst so Dinge, wie:
Die Finanzierung steht,
mit dem Auto sind wir 
in maximal zwanzig Minuten
in der Stadt,
und eine steinerne Buddha 
Figur würde die Gartenlounge
noch gemütlicher machen.  

Ich sehe, 
wie deine Lippen Worte formen,
doch es hört sich so an,
als kämen sie in einer mir
fremden Sprache bei mir an. 
Alles fühlt sich fremd an.

Lost in Translation. 

Und ich denke daran, 
was Benjamin Griffey sang;
"Trotz gut angefangenem Bau
Machen vier Wände lange kein
Haus (Schatz, Nein)".
Für diese Erkenntnis gebührt
ihm mehr als nur Applaus.
 
Du blickst nach draußen
auf die Einfahrt 
und sagst: 
Denk daran, 
Morgen kommt der Kies.
Und ich frage mich nur,
wann uns der letzte
Berührungspunkt verließ.

Wenn es gut ist

Ich war 
immer der Wanderer
im Nebelmeer. 
Doch plötzlich 
ist da kein Nebel mehr. 

Und jetzt 
ist alles, 
was vorher 
nur als entfernte
Silhouette zu erahnen war, 
unmittelbar
spür und fassbar.
Sehe zum ersten mal
alles klar.

Kein müssen mehr
und sollen
und vor allem 
nicht wie sonst,
dieses beklemmende
Gefühl woanders 
sein zu wollen.

Er ist weg,
der sonst
wie Herbstlaub
an mir haftende Gedanke:
 
Was nützen mir Flügel,
wenn ich den Wind 
nicht spüren kann!

Ich hab dich nicht gesucht, 
doch gefunden 
und wir sind
wie zwei offene Enden
miteinander verbunden. 

Ich erhebe mich.
Du siehst mich
mit großen Augen an:
Wo willst du hin?!

Nirgendwo! 
sage ich.

Ich bin da,
solange 
du auch da bist.

Behind Closed Doors

Ich bin draußen.
Stehe vor deiner Tür.
Fühlt sich an, 
als wäre ich 
Lichtjahre entfernt 
von dir.

Du bist hinter der Tür.
Spüre, wie mir plötzlich
salzig schmeckende Tropfen
über die Wange rinnen.

Höre, wie es drinnen scheppert,
du wohl wieder am umräumen 
und aussortieren bist.
Immer irgendwas zu tun. 
Und, wie du immer sagst
du hast keine Zeit zu ruhen. 

Vielleicht mit einer der Gründe,
warum ich jetzt hier draußen
und nicht da drinnen,
bei dir. 

Wie eine unbezwingbare Mauer
erscheint sie mir,
die sonst immer schwer zu schließende
alte Eichentür.

Höre, wie dein Telefon klingelt
und halte den Atem an,
dann gehst du dran.
Stille!
Dann höre ich dich lachen.
Doch nicht ich bin es, 
der dich zum lachen bringt.
Nicht mehr. 

Ich gehe jetzt,
denke ich 
und halte noch einen Moment inne.
Dann klingelt mein Telefon.
Ich schaue aufs Display,
bevor ich sehen kann, 
wer es ist...
schon zu spät.
Das Display ist schwarz.
Der Akku ist leer!