Warteschleife

Gleich rufe ich sie an,
spüre es gerade
mit jeder Faser meines
Körpers, dass ich 
keine Sekunde länger 
ohne den Klang 
ihrer Stimme sein kann. 

Als sie gestern 
zum Abschied sagte,
bis bald. 
war mir noch nicht bewusst,
dass ich schon heute
fast zerspringe,
voller Sehnsucht. 

Jetzt muss es 
einfach sein,
ganz aufgeregt 
mit zittrigen Fingern
tippe ich 
mich im Kreise drehend
auf das Display. 

Es klingelt*

Ist was? Fragt sie
völlig außer Atem klingend.  

Was ist das?! Denke ich mir
um Worte ringend. 

Dahin ist sie, die ganze Euphorie. 

Ich dachte, ich rufe dich mal an, 
sagte ich mit zittriger Stimme. 

Das ist ja schön und gut,
aber gerade ist es 
irgendwie...schlecht. 
Druckst sie mir entgegen. 

Ach so, ja klar 
ist doch überhaupt 
kein Problem.
Tat ich ganz souverän. 
ich wollte einfach mal 
deine Stimme hören...
Entgegne ich dann 
etwas verlegen.

Gut, dann bis bald! 
Ist alles, was sie erwidert
und legt auf. 

Seitdem ist fast ein Monat
vergangen...
wie lange es wohl dauert, 
bis die Sehnsucht verhallt?
Jetzt noch nicht,
doch wer weiß,
vielleicht ja bald.
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netzabhängig

Kürzlich sprach mich 
auf der Straße jemand an, 
fragte mich, ob ich ihm mal 
mein Handy leihen kann. 
Ich verstand erst nicht, 
dachte, er will mich bestehlen
und sagte hey, das ist nicht 
einfach nur ein Handy, 
darin verbirgt sich ein Teil 
von meinem Leben. 

Doch, ich war ganz gebannt, 
als ich seinen wahren 
Beweggrund verstand. 

Er war auf der Suche nach einem
Ort; "wo das nicht ankommt". 
Einen Ort ohne Netzempfang?!
Ich will mich ja nicht 
zu weit aus dem Fenster lehnen, 
aber für viele wäre das wohl so,
als würde man ihnen die Luft
zum atmen nehmen. 

Wie soll das gehen? 

Dann müsste man sich ja 
wieder mit sich selbst
beschäftigen, vielleicht  
ein Buch zur Hand nehmen 
oder gar miteinander reden.

Die Idee ist gut, 
denke ich,
Blicke kurz vom Bildschirm auf,
für den Anfang lösche ich gleich 
mal meinen Browserverlauf.

Momentum

Wir beschleunigen das Leben,
in der Angst, 
wir könnten etwas verpassen. 
Jedoch, 
gerade weil wir  
es beschleunigen 
verpassen wir es. 

Wir wollen alles
und das zur gleichen Zeit.
Doch dabei verlieren wir 
den Bezug zur wahrhaftigen
Wirklichkeit. 

Dereinst ging es 
den Menschen 
draußen in der Natur 
um das wundervolle 
Zusammenspiel von Farben. 
Heute ist es es den meisten 
viel wichtiger, 
ob sie dort auch 
Internetzugang haben.

 

Lebenslänglich

Geburt.Schule.Arbeit.Tod!

An dieses Graffito, welches in meiner Jugend 
kurzzeitig unser Schulgebäude schmückte,
weil der Thomas des Nachts mal wieder
die Sprühdose zückte
musste ich gerade denken,
als ich an der neu ausgebauten
Reifenfabrik vorbeifuhr. 

Und wüsste man es nicht besser,
wenn man den großen Gitterzaun und 
mächtigen Tore davor sieht, 
könnte man durchaus glauben, 
dahinter würden sie den Menschen
ihre Freiheit rauben.
 
Allein beim Gedanken daran, 
jeden Tag dieses Drehkreuz zu 
passieren, dann an der Pforte 
meine Anwesenheit zu quittieren, 
stellen sich mir die Nackenhaare.
Und so komme ich zu der Frage,
welches wohl das größere Übel wäre. 
Fünf Tage die Woche dort hinzugehen,
dafür gibt es dann
ein, maximal zwei Tage Freigang. 
Und dann schon sonntags wieder dieses 
ungute Gefühl in der Magengegend zu spüren, 
wenn man an den montäglichen Einschluss denkt.

Aber zurück zum Gefängnis, 
dort bleibt man ja stationär 
manch einer gar lebenslänglich. 
Also der Fabrik gar nicht so unähnlich 
Was wiederum zu dem:  
"Geburt.Schule.Arbeit.Tod Bild passt". 
Alles ist durchgeplant, nur nicht 
nachdenken und einfach das tun,
was andere dir vormachen, 
genau wie bei dressierten Affen. 

Aber nein, nichts gegen die "echten" 
Affen, die können sich schließlich 
nicht wehren, wenn wir sie,
um unsere Schaulust zu befriedigen 
hinter Gitter sperren. 

Und wir Moderne Zeiten Menschen
wollen uns im Grunde wohl auch
gar nicht wehren und sollten 
einer das doch mal wagen,
können wir ihn ja immer noch
für den Rest seines Lebens 
hinter Gitter jagen.

mucksmäuschenstill

Sag jetzt nichts
haucht sie mir ins Ohr. 
Und auch wenn,
es mir in diesem Moment 
wirklich schwer fällt, 
nicke ich ihr
schweigend zu.

Stille. 
Wie im Winter, 
wenn der erste Schnee fällt
und es sich so anfühlt, 
als ob die ganze sonst
immerzu pulsierende Welt,
für einen Moment 
die Luft anhält. 


Mir ist kalt. 
Aus schweigen wird weinen. 
Halt mich einfach fest
sagt sie jetzt,
was ich auch tue. 
Gemeinsam zittern
wir uns warm.

Bitte bleib nicht,
wenn du gehst.  
Höre ich sie noch sagen,
wie das gehen soll...
wagte ich nicht mehr 
zu fragen. 

Vergissmeinnicht

Gerade hätte ich fast, 
ja nur um Haaresbreite 
vergessen, dich zu vermissen. 
Doch dann,
erinnerte mich mein 
ausgeschaltetes Telefon daran,
dass ich dich gar nicht 
vergessen kann. 
Zumindest noch nicht...

Erst vor ein paar Minuten
rief ich damit an. 
Extra vormittags,
weil ich mir sicher war
du wärst nicht da.
Während es klingelte 
hielt ich den Atem an
hatte nicht damit gerechnet,
doch du warst wahrhaftig dran.

Nur ein leises "Hallo"
mehr brauchte es nicht
und schon war ich k.o.

Unfähig aufzulegen
geschweige denn,
etwas zu sagen
legte das Telefon 
zittrig beiseite 
und rannte hinaus
die Straße entlang
doch dann 
sah ich die Bank
auf der wir früher saßen
und rauchten
es war die Zeit, 
in der wir nichts 
außer uns brauchten. 

Gehetzt von den Gedanken
rannte ich zurück ins Haus
nahm das Telefon 
und schaltete es 
vorsichtshalber aus. 

Traumgeister

Zugrunde gehen werdet ihr,
wo früher noch Sehnsucht war
ist jetzt nur noch eine
unstillbare Sucht nach  
Geld, Macht und Gier. 
Ich werde euer innerstes 
nach außen treiben
und zeige euch damit 
euer wahres Gesicht,
genauso wird es sein,
ob ihr es wollt oder nicht. 

Das Herz ist ein Muskel 
in der Größe einer Faust.
Doch leider wird dieser
immer öfter falsch eingesetzt
wo zuvor Verbundenheit das 
Ziel war, wird heute 
zumeist damit verletzt. 

Mit diesen Worten im Kopf
und vor Augen ein Geflecht 
aus nebelverschleierten Gedanken
ist er schweißgebadet erwacht.

Die Geister, die er nicht rief
trieben ihr böses Spiel, 
sie spuken immerzu 
in seinem brummenden Schädel,
kommen sie denn niemals zur Ruh. 
Im Traum, wie im wachen Zustand 
und dazwischen sowieso. 

Schlaftrunken greift er zu der 
Schachtel Zigaretten. 
Sie werden ihn wohl nicht lange, 
aber zumindest für den Moment retten. 
Er überlegt kurz 
und tastet dann unters Bett, 
wo eigentlich immer ein Feuerzeug
zu finden ist. 
Aschenbecher? Fehlanzeige. 
Aber das soll auch kein Problem sein. 
Neben dem Bett steht noch 
ein halb gefülltes Glas Rotwein. 
Dieser Gedanke entlockt ihm 
ein kurzes bittersüßes Lächeln.
Er denkt zurück an eine Zeit,
als er zumeist völlig verstrahlt
aufwachte, mit einer staubtrockenen Kehle,
die dringend nach Flüssigkeit verlangte
und da stand neben dem Bett eine offene 
Dose Bier und bevor er weiter darüber 
nachdachte, hatte er sie auch schon 
angesetzt und einen tiefen Schluck genommen,
es war ein Gemisch aus Bier und Kippen
und allein der Gedanke hätte schon gereicht,
damit alles was ihn ihm war 
ihm in diesem Moment wieder 
schwallartig entweicht. 

Mit diesen Erinnerungen im Kopf 
zündete er sich die Zigarette an,
sog den Rauch tief ein.
Ein Gefühl von Schwindel machte 
übermannte ihn, fast wie damals
im Schullandheim. 
Er genoss diesen nostalgischen Moment 
nahm noch ein paar Züge und versenkte 
die Zigarette dann im Rotwein. 
Und jetzt? 
Aufstehen, wäre eine Option gewesen,
vielleicht auch ein paar Seiten 
schreiben oder lesen. 
Aber nein, es war wohl schon ein neuer
Tag, aber eben auch Montag und mittlerweile
1.30 Uhr also noch viel zu früh 
um den Tag beginnen. 
Neuer Tag, neues Unglück? 
Und er dachte, was er in letzter Zeit 
schon des öfteren gedacht hatte.
Jeder Tag, der überstanden ist
bedeutete einen Tag weniger in
diesem zumeist aussichtslosen Strudel
wirrer Gedanken 
über Zukunft und Vergangenheit
und vor allem über die Zeit 
die dazwischen bleibt. 

Er ist zu müde,
um diese Gedanken weiter 
zu verfolgen.
Was im Grunde wohl auch besser ist,
für beide, ihn und die Gedanken. 
Die Macht der Müdigkeit 
lässt ihn zurückfallen 
und die Augen schließen.