Traumleben vs. Lebenstraum

 

Da hast du wohl recht
sagte er 
ich bin ein Träumer 
verträume mein Leben
so war es und so wird 
es wohl auch immer sein

Was aber nicht heißt,
dass ich nicht glücklich bin
ganz im Gegenteil
dadurch spare ich mir
ein Leben lang daran zu arbeiten
meine Träume irgendwann
zu verwirklichen

Immer ein klares Ziel vor Augen
so, wie du und auch die meisten
anderen es für richtig halten
Darauf hin zu arbeiten, dass
man sich dann im "Alter" 
etwas ermöglichen kann. 
Doch dann, ja dann 
ist es meistens
schon zu spät. 

So!
Nun lass mich weiter träumen 
und Du
verfolge weiter emsig deine Ziele

Du weißt ja, 
sagte sie mit leiser Stimme
Träumer sterben einsam
und warf die Tür ins Schloss.

 

Fensterschatten

Ich schreie so lange deinen Namen 
bis ich in der Eiseskälte erfriere
oder du endlich das Fenster öffnest.

Im Grunde ist es mir egal,
ob ich hier draußen erfriere.
Tod bin ich sowieso schon
oder zumindest innerlich erkaltet. 

Da stehe ich nun
seit gefühlten Stunden 
und spähe hoch 
zu den beiden kleinen Dachfenstern, 
die ich zuvor vor allem von innen kannte.
Gleich dahinter steht dein Bett, 
indem wir so viele Stunden gemeinsam verbrachten
und an nichts, außer uns beide dachten. 

Wie lange ich wohl noch warten muss,
bis die Stunden hier draußen 
die Stunden drinnen überwiegen.
Bin ich dann endlich frei? 

Dachte ich doch, 
dass ich ihn endlich gefunden habe,
den Ort wo ich hingehöre,
den Platz wo ich niemanden störe.

Und jetzt, ja jetzt sehe ich die
Schatten hinter den Fenstern 
und keiner davon bin ich. 

Bist du es?
Oder noch viel wichtiger, 
wer liegt da neben,
oder gar auf oder unter dir,
während ich hier stehe und warte.
Auf was warte ich eigentlich?
Auf Dich, auf mich
zu lange gewartet. 

Das Licht geht aus. 
Und ich bin immer noch nicht erfroren. 
Ist wohl gar nicht so einfach,
denke ich mir 
und mache mich weiter auf den Weg.
Wohin? 
Das weiß ich noch nicht. 
Nur weiter. 
Bis ich irgendwann wieder 
vor (D)einem Fenster stehe 
und das Licht die Schatten bricht. 










Der Sparwaschgang des Lebens

Er sitzt auf der Toilette 
die Tür zum Badezimmer steht offen
von hier aus betrachtet er die Waschmaschine 
in die er vor ein paar Minuten 
seine schmutzige Wäsche warf.
Sieht darin sein Leben ablaufen
man könnte auch sagen absaufen
es ist ähnlich wie die schmutzige Wäsche
die darin im Kreise läuft,
in einer bräunlichen Suppe schwimmt.

Ab und zu schmeißt du den ganzen Müll,
der sich im Kopf ansammelt
in die imaginäre Waschmaschine
wäschst das ganze bei 30 Grad,
natürlich im Sparwaschgang 
weil das Wasser und Zeit spart
und wunderst dich dann jedes mal 
über den ganzen Schmutz, 
der nach der Sparwäsche 
an dir haften bleibt. 
Und das machst du immer wieder...
sudelst dich im Alltagsdreck
und dann irgendwann 
bekommst du ihn einfach  
nicht mehr weg. 
Er bleibt. 
Haftet fest an dir,
wie feuchtes Laub im Herbst. 

Gedankenregen

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Regentropfen aus Gedanken
überfluten mein Gesicht 
tränken zärtlich meine Wangen
rauben mir das Gleichgewicht.

Zaghaft sinke ich zu Boden
kahle Wände nähern sich
meine Hände suchen Nähe
meine Augen suchen Dich. 

Träume drängen klare Wege
gegen jede Wand 
meine Augen sind verschleiert
kalte Tränen fast verbrannt

Alles Leben scheint zu schwinden
in der Tiefe feiner Kerben
denn in diesem Augenblick
lässt mich jene Sehnsucht sterben.