This House Is Not A Home

Es fühlt sich so an,
als säßen wir mitten im
gleißenden Sonnenlicht,
Keine Sonnenbrille zur Hand
und kein Schatten in Sicht. 

Dir steht die Überzeugung 
ins Gesicht geschrieben.
Du hast mich rechts überholt,
doch ich bin dabei 
irgendwie auf halber Strecke 
liegen geblieben. 

Du solltest doch 
zumindest ansatzweise spüren, 
dass ich mich fühle,
wie der letzte große Wal,
der versucht verzweifelt
aufzutauchen um ein wenig
Luft zu holen,
aber weit gefehlt, 
du denkst gar nicht daran,
also halte ich weiter aus 
und die Luft an.  

Du deutest mit 
mit dem Zeigefinger auf mich 
und sagst so Dinge, wie:
Die Finanzierung steht,
mit dem Auto sind wir 
in maximal zwanzig Minuten
in der Stadt,
und eine steinerne Buddha 
Figur würde die Gartenlounge
noch gemütlicher machen.  

Ich sehe, 
wie deine Lippen Worte formen,
doch es hört sich so an,
als kämen sie in einer mir
fremden Sprache bei mir an. 
Alles fühlt sich fremd an.

Lost in Translation. 

Und ich denke daran, 
was Benjamin Griffey sang;
"Trotz gut angefangenem Bau
Machen vier Wände lange kein
Haus (Schatz, Nein)".
Für diese Erkenntnis gebührt
ihm mehr als nur Applaus.
 
Du blickst nach draußen
auf die Einfahrt 
und sagst: 
Denk daran, 
Morgen kommt der Kies.
Und ich frage mich nur,
wann uns der letzte
Berührungspunkt verließ.

Wenn es gut ist

Ich war 
immer der Wanderer
im Nebelmeer. 
Doch plötzlich 
ist da kein Nebel mehr. 

Und jetzt 
ist alles, 
was vorher 
nur als entfernte
Silhouette zu erahnen war, 
unmittelbar
spür und fassbar.
Sehe zum ersten mal
alles klar.

Kein müssen mehr
und sollen
und vor allem 
nicht wie sonst,
dieses beklemmende
Gefühl woanders 
sein zu wollen.

Er ist weg,
der sonst
wie Herbstlaub
an mir haftende Gedanke:
 
Was nützen mir Flügel,
wenn ich den Wind 
nicht spüren kann!

Ich hab dich nicht gesucht, 
doch gefunden 
und wir sind
wie zwei offene Enden
miteinander verbunden. 

Ich erhebe mich.
Du siehst mich
mit großen Augen an:
Wo willst du hin?!

Nirgendwo! 
sage ich.

Ich bin da,
solange 
du auch da bist.

Warteschleife

Gleich rufe ich sie an,
spüre es gerade
mit jeder Faser meines
Körpers, dass ich 
keine Sekunde länger 
ohne den Klang 
ihrer Stimme sein kann. 

Als sie gestern 
zum Abschied sagte,
bis bald. 
war mir noch nicht bewusst,
dass ich schon heute
fast zerspringe,
voller Sehnsucht. 

Jetzt muss es 
einfach sein,
ganz aufgeregt 
mit zittrigen Fingern
tippe ich 
mich im Kreise drehend
auf das Display. 

Es klingelt*

Ist was? Fragt sie
völlig außer Atem klingend.  

Was ist das?! Denke ich mir
um Worte ringend. 

Dahin ist sie, die ganze Euphorie. 

Ich dachte, ich rufe dich mal an, 
sagte ich mit zittriger Stimme. 

Das ist ja schön und gut,
aber gerade ist es 
irgendwie...schlecht. 
Druckst sie mir entgegen. 

Ach so, ja klar 
ist doch überhaupt 
kein Problem.
Tat ich ganz souverän. 
ich wollte einfach mal 
deine Stimme hören...
Entgegne ich dann 
etwas verlegen.

Gut, dann bis bald! 
Ist alles, was sie erwidert
und legt auf. 

Seitdem ist fast ein Monat
vergangen...
wie lange es wohl dauert, 
bis die Sehnsucht verhallt?
Jetzt noch nicht,
doch wer weiß,
vielleicht ja bald.

Momentum

Wir beschleunigen das Leben,
in der Angst, 
wir könnten etwas verpassen. 
Jedoch, 
gerade weil wir  
es beschleunigen 
verpassen wir es. 

Wir wollen alles
und das zur gleichen Zeit.
Doch dabei verlieren wir 
den Bezug zur wahrhaftigen
Wirklichkeit. 

Dereinst ging es 
den Menschen 
draußen in der Natur 
um das wundervolle 
Zusammenspiel von Farben. 
Heute ist es es den meisten 
viel wichtiger, 
ob sie dort auch 
Internetzugang haben.

 

Lebenslänglich

Geburt.Schule.Arbeit.Tod!

An dieses Graffito, welches in meiner Jugend 
kurzzeitig unser Schulgebäude schmückte,
weil der Thomas des Nachts mal wieder
die Sprühdose zückte
musste ich gerade denken,
als ich an der neu ausgebauten
Reifenfabrik vorbeifuhr. 

Und wüsste man es nicht besser,
wenn man den großen Gitterzaun und 
mächtigen Tore davor sieht, 
könnte man durchaus glauben, 
dahinter würden sie den Menschen
ihre Freiheit rauben.
 
Allein beim Gedanken daran, 
jeden Tag dieses Drehkreuz zu 
passieren, dann an der Pforte 
meine Anwesenheit zu quittieren, 
stellen sich mir die Nackenhaare.
Und so komme ich zu der Frage,
welches wohl das größere Übel wäre. 
Fünf Tage die Woche dort hinzugehen,
dafür gibt es dann
ein, maximal zwei Tage Freigang. 
Und dann schon sonntags wieder dieses 
ungute Gefühl in der Magengegend zu spüren, 
wenn man an den montäglichen Einschluss denkt.

Aber zurück zum Gefängnis, 
dort bleibt man ja stationär 
manch einer gar lebenslänglich. 
Also der Fabrik gar nicht so unähnlich 
Was wiederum zu dem:  
"Geburt.Schule.Arbeit.Tod Bild passt". 
Alles ist durchgeplant, nur nicht 
nachdenken und einfach das tun,
was andere dir vormachen, 
genau wie bei dressierten Affen. 

Aber nein, nichts gegen die "echten" 
Affen, die können sich schließlich 
nicht wehren, wenn wir sie,
um unsere Schaulust zu befriedigen 
hinter Gitter sperren. 

Und wir Moderne Zeiten Menschen
wollen uns im Grunde wohl auch
gar nicht wehren und sollten 
einer das doch mal wagen,
können wir ihn ja immer noch
für den Rest seines Lebens 
hinter Gitter jagen.

Schere des Glücks

Jetzt sitzt du da,
mit den Resten  
von alldem, 
was euch verband. 
Es rinnt dir durch die Finger
wie zu fein gesiebter Sand

Es war doch alles perfekt,
sagte sie dir. 
Zuvor hast du so lange
darüber nachgesonnen,
fragtest dich, 
wann würde es 
endlich auch mal
zu dir kommen, 
dieses Glück. 

Greifbar nah 
war es, 
hättest es nur 
fassen müssen,
konntest du nicht,
Feigling 
der du nun mal bist. 

Wirklich schade 
sagte sie.
Bin wohl nicht 
dafür gemacht,
hast du dir
insgeheim gedacht. 

Ob es wohl doch so ist,  
dass alles gut ist, 
solange es noch 
Wunsch und eben 
nicht wahrhaftig ist. 

Und solange man es sich
noch vorstellt,
eben auch all den 
bald aufkommenden 
Alltagsbanalitäten standhält.

Du brauchst Personal!

 

Ich sitze in der Küche auf dem alten 
Dielenboden, der bei jeder Bewegung
knarrt. Dieses typische Altbau Geräusch 
erinnert mich an die Kindheit. 

Warum ich auf dem Boden sitze?
Der Küchentisch ist gerade unpässlich,
was viel besser klingt als überfüllt. 

Bleistift und Papier in der Hand,
also bestens vorbereitet, 
jetzt fehlt mir nur noch der eine Satz. 
Habe ich mir nämlich fest vorgenommen;
jeden Tag mindestens einen guten Satz.
Was nützen all die schönen Sätze
in Gedanken, wenn ich sie nie ausschreibe. 

Am Notebook funktioniert das (heute) nicht,
da kommt mir immer wieder Netflix in die Quere
und eben all die anderen vermeintlich geistreichen
Verlockungen in den unendlichen weiten des Internets. 

Das iPhone habe ich auch schon 
ausgemacht und im Schrank versteckt. 
Wo genau? Am besten sehe ich gleich nochmal 
nach...Nein! 
Will ja schließlich heute noch etwas 
zu Papier bringen.
Und bin ja im Grunde auch schon kurz davor. 
Gleich wird mich nichts mehr aufhalten, 
dann sprudeln die Wörter nur so aus mir heraus, 
wie versteckte Wasserquellen in Manhattan. 
Nur gut, dass ich gerade netzlos bin, 
sonst würde ich wohl genau jetzt 
Woody Allen googeln. 
Gerade will ich den Stift ansetzten...
da geht die Tür auf und Thomas kommt herein. 

Thomas: Was um alles in der Welt ist hier passiert? 
Ich: Hier wird Kunst geschaffen. 
Thomas: Ich sehe nicht, außer zahlloser weißer Blätter 
und überhaupt einem riesen Haufen Chaos.
Ich: Und aus dem Chaos entsteht Kunst. 
Thomas: Wenn du meinst...und was haben die ganzen 
Kaffeetassen und vor allem leeren
die Weinflaschen damit zu schaffen?
Ich: Das hättest du mal Bukowski fragen sollen! 
Thomas: Du bist aber nicht Bukowski und es 
wäre auch nicht wünschenswert, dass du so wirst wie er.
Ich: Warum denn nicht? 
Thomas: Weil er tot ist. 
Ich: Gutes Argument. Aber er war auch 74 Jahre alt, als
er das zeitliche segnete. Also mehr doppelt so alt wie ich. 
Und bei ihm standen gewiss mehr als "ein paar" leere
Weinflaschen im Raum. 
Thomas: Der hatte aber bestimmt auch Personal. 
Ich: Personal?! 
Thomas: Ja, du brauchst Personal! 
Während er das sagt, bewegt er seinen Kopf hin und her,
so als würde er ein Tennismatch verfolgen. 
Ich drehe mir derweil erst einmal eine Zigarette,
dabei folge ich seinen Blicken und frage mich,
wer zum Teufel all diese Sachen hier abgestellt hat. 
Am meisten wundere ich mich über zwei schwarze Socken,
eine liegt auf dem Tisch und eine auf der Anrichte.
Seltsam, seltsam...
Ich werfe die halb gerauchte Zigarette 
gedankenverloren in eine 
der herumstehenden Kaffeetassen.
Vergeblich warte ich auf den sonst 
so vertrauten Zischlaut. Tom zieht 
eine Augenbraue hoch und runzelt die Stirn,
dann setzt er erneut an: 

Schlimm genug, dass du die Kaffeetassen als 
Ascher nutzt, aber noch erbärmlicher ist,
dass sie wohl schon so lange hier rumstehen,
dass selbst der Kaffeesatz vertrocknet ist. 

Bei dem Wort Kaffeesatz fällt mir wieder ein,
was ich eigentlich vorhatte...

Ich werde mich später darum kümmern...
Jetzt muss ich erst einmal den einen 
guten Satz schreiben, aber ich komme 
ja hier zu nichts, wenn ich ständig
abgelenkt werde.