Im freien Fall

 

Schon lange 
vor dem 
großen Knall 
spürte ich 
mit voller Wucht 
den Aufprall.

Das mit uns 
war doch 
so viel mehr
als nur gut 
und dann kam 
urplötzlich 
der Sinkflug 
waren wir uns
selbst nicht mehr
genug.

Sind wir wohl doch 
viel zu hoch geflogen. 
Ja, ich erinnere mich 
jetzt wieder daran,
wie du einst sagtest; 
das gefährliche ist 
nicht die Höhe 
sondern der Boden. 

Fühlte mich 
unverwundbar mit dir,
doch jetzt 
ich am Boden 
und du
bist nicht mehr da  
nur noch Scherben 
liegen hier. 

Ich weiß, 
ich muss jetzt 
damit aufhören, 
zurück zu blicken 
und endlich anfangen
wieder nach vorne 
zu schauen. 
Und wer weiß,  
vielleicht kann ich 
aus dem 
dunklen Scherbenhaufen
ein lichtdurchlässiges 
Mosaik bauen.
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Abschluss.

Ich spüre,
wie wir
wie zwei 
Segelboote
kurz vorm Kentern
im Auge des Sturmes
schwanken. 
Mit leerem Blick 
fragst du mich; 
was nützt die Liebe
in Gedanken?
Intuitiv antworte ich;
was nützt 
auch nur 
ein einziger Gedanke
ohne Liebe?! 
Ja, 
Was wäre denn dann 
überhaupt von Wert,
wenn nicht wenigstens 
ein Funke 
davon übrig bliebe...
Und genau
in diesem Moment
können wir beide 
in des Augen 
des anderen sehen, 
dass wir am Ende
von unserem gemeinsamen 
Wege stehen. 
Doch ganz gewiss 
war dieser 
keineswegs vergebens
denn die Zeit 
mit dir
war ein wesentlich 
wichtiger Bestandteil
meines Lebens.

Selbsterkenntnis

Ständig 
fragte ich mich, 
wie bekomme 
ich das hin,
endlich der zu sein,
der ich bin.
Dabei wurde mir 
immer mehr klar, 
dass ich mich
die ganze Zeit
immer nur durch
die Augen 
der anderen 
und also nur 
von außen sah, 
sodass das 
gar nicht mein 
wahres ich,
sondern lediglich
eine vage Vorstellung
von mir war. 
Also hörte 
ich endlich 
damit auf, 
mir selbst 
im Wege zu stehen. 
Und ja, 
wer es wirklich will
wird es verstehen
und fängt sodann 
auch damit an,
sich selbst zu sehen!

Klammergriff

Du redest 
die ganze Zeit 
vom Dialog.
Doch in Wahrheit 
führen wir gefühlt
schon seit Tagen 
einen wechselseitigen Monolog.
Ach, 
wie gerne 
hielt ich früher 
deine Hand, 
wo ist sie hin,
die alles umfassende Nähe,
die uns selbst
über hunderte Kilometer
hinweg verband. 
Ist jetzt also Schluss 
und widerlegt unser
Minus mal Minus 
ergibt Plus. 
Bis zu diesem Tag 
hieß es noch,
das kriegen wir
schon irgendwie hin, 
ein Drittel Heizöl
zwei Drittel Benzin. 
Und jetzt, ja jetzt 
ich wieder zurück 
nach Frankfurt 
und du bleibst hier
in Berlin.

Wiedersehen

Als ich dich 
an diesem Tag,
der bis dahin 
allzu gewöhnlich 
und somit, 
wie eine Blaupause 
der vorigen Tage war,
plötzlich aus dem 
Kaffeehaus kommen sah, 
wusste ich 
nicht viel 
und noch viel weniger, 
wie mir geschah. 
Und auch,
wenn ich dich 
nicht aus nächster Nähe, 
sondern 
von der anderen Seite sah,
fühlt ich mich 
dir sogleich
unfassbar nah. 
Es war ja nicht so,
als hätte ich zuvor
nicht an dich gedacht, 
doch solange du weg
und für mich 
nicht sichtbar warst,
hat es mir,
wohl auch,
weil ich 
Weltmeister im verdrängen war,
mit jedem Tag 
ein bisschen weniger ausgemacht.  
Zumindest hatte ich 
mir das 
so gedacht, 
aber in Wahrheit,
hatte ich mir wohl 
die ganze Zeit 
vielleicht auch 
aus Selbstschutz 
nur etwas vorgemacht. 
Und bevor 
ich auch nur 
den Gedanken fassen konnte,
dir hinterher 
zu gehen, 
warst du verschwunden 
und seitdem 
nicht wiedergesehen.

Insomnia

Es ist 4.30 Uhr
der Tag 
ist noch nicht, 
aber ich nunmehr 
schon seit 
drei Tagen wach.
Das Kopfkino 
ist mal 
wieder lauter,
als der Wille 
zum Schlaf.
Aus dem Fenster schauen,
draußen,
wie auch drinnen 
beginnt das  
Morgengrauen.
Da hilft 
nur noch aufstehen
und raus gehen
fahren, fahren
auf der Autobahn. 
Aus der Dunkelheit
in die 
einzige Wirklichkeit,
die Einsamkeit. 
Wie vernebelt 
fahre ich,
durch die 
zuerst vertraut 
und dann immer 
mehr befremdlich 
wirkenden Straßen,
höre den Regen,
wie Nadelstiche 
gegen die Scheibe prasseln.
Für einen Moment 
denke ich,
der Nebel lichtet sich,
doch die innere schwärze
nimmt mir das Licht. 
Halte das Lenkrad fest
in der einen und 
Kaffee und Kippe
in der anderen Hand. 
Und was, 
wenn man einfach
unaufhörlich 
den Atem anhält,
weil allein
der Tod 
den Zeiger 
wieder zurück
auf Null stellt. 
Wir haben nichts
zu verlieren,
außer unserer Angst. 
Halte das Lenkrad fest,
mach die Augen zu,
zähle langsam 
bis drei. 
Vor meinem Inneren Auge
zieht mein Leben
an mir vorbei.
Totale Finsternis! 
Spüre, wie mein
Herz schlägt
und in diesem
Moment ist da 
irgendwas, 
was mich 
zum öffnen
der Augen bewegt. 
Im Bauch 
wächst die Wut.
War das jetzt  
mein freier Wille, 
oder doch nur
der fehlende Mut. 
Und ja, 
ich weiß, 
Depression
war und wird 
nie tragbar,
aber sie 
steht uns 
doch so gut. 
Da kannst du
noch so viele
Traumfänger knüpfen,
sie mir 
wie ein Mahnmal 
an den Rückspiegel hängen
ich werde doch nicht 
in deine 
Haus, Hund und Garten 
Rolle schlüpfen. 
Du sagst immer, 
mach die Augen auf,
du musst endlich anfangen,
nach vorne zu schauen. 
Doch damit hat er 
überhaupt erst begonnen,
der einen von innen 
zermürbende Alptraum!

Feelings aus der Asche

Die leeren Pizzakartons 
türmen sich an der Wand, 
reichen den stehengelassenen 
Weinflaschen und  
Kaffeetassen die Hand. 

Ich sitze auf dem unbequemen 
Plastiksessel von Ikea, 
weil das der einzige Platz
ist, der noch halbwegs frei ist,
davor hab ich die zuvor mit Zeitungen 
vollgestapelte Orangekiste umgedreht,
die so auch erst mal ganz gut 
als Tisch durchgeht.

Darauf liegt ausnahmsweise nichts,
außer weißes Papier,
ich halte den Stift in der linken
und eine Kippe in der anderen Hand. 

Weiß schon gar nicht mehr, 
wann es angefangen hat aufzuhören,
mit dir und danach auch mit mir.  

Weiß noch, wie du 
immer sagtest;
das Glas ist halbvoll 
und nicht halbleer. 
Doch, 
anstatt, dass du gegangen
bist, kamst du einfach 
nicht mehr her. 

Oder war ich es,
der ging, weil ich mehr 
an der Freiheit, 
als an dir hing. 

Ich will nur, 
dass du weißt,
dass ich weiß 
was ich will.

Bringe diesen Satz 
nun schon zum wiederholten
mal zu Papier und hoffe,
dass ich ihn irgendwann 
selbst glauben werde. 

Ich nehme einen Schluck
Instant Kaffee, 
er ist kalt.

Instant Kaffee 
Instant Life. 

Bevor die Glut
gleich wieder zu Boden
und zur übrigen Asche fällt,
zerfällt, schnippe ich sie 
in den Kaffeebecher 

Und als es dann leise zischt, 
frage ich mich, 
ob es das jetzt war, 
dieses Licht, 
welches angeblich 
niemals erlischt.