Feelings aus der Asche

Die leeren 
Pizzaschachteln stapeln sich 
pyramidenförmig
an der Wand, 
reichen den stehengelassenen 
Weinflaschen und  
Kaffeetassen die Hand. 

Ich sitze auf dem unbequemen 
Plastiksessel von Ikea, 
weil das der einzige Platz
ist, der noch halbwegs frei ist,
davor hab ich die zuvor mit Zeitungen 
vollgestapelte Orangekiste umgedreht,
die so auch erst mal ganz gut 
als Tisch durchgeht.

Darauf liegt ausnahmsweise nichts,
außer weißes Papier,
ich halte den Stift in der linken
und eine Kippe in der anderen Hand. 

Weiß schon gar nicht mehr, 
wann es angefangen hat aufzuhören,
mit dir und danach auch mit mir.  

Weiß noch, wie du 
immer sagtest;
das Glas ist halbvoll 
und nicht halbleer. 
Doch, 
anstatt, dass du gegangen
bist, kamst du einfach 
nicht mehr her. 

Oder war ich es,
der ging, weil ich mehr 
an der Freiheit, 
als an dir hing. 

Ich will nur, 
dass du weißt,
dass ich weiß 
was ich will.

Bringe diesen Satz 
nun schon zum wiederholten
mal zu Papier und hoffe,
dass ich ihn irgendwann 
selbst glauben werde. 

 

Ich nehme einen Schluck
Instant Kaffee, 
er ist kalt.

Instant Kaffee 
Instant Life. 

Bevor die Glut
gleich wieder zu Boden
und zur übrigen Asche fällt,
zerfällt, schnippe ich sie 
in den Kaffeebecher 

Und als es dann leise zischt, 
frage ich mich, ob es das jetzt war, 
dieses Licht, welches angeblich niemals erlischt. 

This House Is Not A Home

Es fühlt sich so an,
als säßen wir mitten im
gleißenden Sonnenlicht,
Keine Sonnenbrille zur Hand
und kein Schatten in Sicht. 

Dir steht die Überzeugung 
ins Gesicht geschrieben.
Du hast mich rechts überholt,
doch ich bin dabei 
irgendwie auf halber Strecke 
liegen geblieben. 

Du solltest doch 
zumindest ansatzweise spüren, 
dass ich mich fühle,
wie der letzte große Wal,
der versucht verzweifelt
aufzutauchen um ein wenig
Luft zu holen,
aber weit gefehlt, 
du denkst gar nicht daran,
also halte ich weiter aus 
und die Luft an.  

Du deutest mit 
mit dem Zeigefinger auf mich 
und sagst so Dinge, wie:
Die Finanzierung steht,
mit dem Auto sind wir 
in maximal zwanzig Minuten
in der Stadt,
und eine steinerne Buddha 
Figur würde die Gartenlounge
noch gemütlicher machen.  

Ich sehe, 
wie deine Lippen Worte formen,
doch es hört sich so an,
als kämen sie in einer mir
fremden Sprache bei mir an. 
Alles fühlt sich fremd an.

Lost in Translation. 

Und ich denke daran, 
was Benjamin Griffey sang;
"Trotz gut angefangenem Bau
Machen vier Wände lange kein
Haus (Schatz, Nein)".
Für diese Erkenntnis gebührt
ihm mehr als nur Applaus.
 
Du blickst nach draußen
auf die Einfahrt 
und sagst: 
Denk daran, 
Morgen kommt der Kies.
Und ich frage mich nur,
wann uns der letzte
Berührungspunkt verließ.

Wenn es gut ist

Ich war 
immer der Wanderer
im Nebelmeer. 
Doch plötzlich 
ist da kein Nebel mehr. 

Und jetzt 
ist alles, 
was vorher 
nur als entfernte
Silhouette zu erahnen war, 
unmittelbar
spür und fassbar.
Sehe zum ersten mal
alles klar.

Kein müssen mehr
und sollen
und vor allem 
nicht wie sonst,
dieses beklemmende
Gefühl woanders 
sein zu wollen.

Er ist weg,
der sonst
wie Herbstlaub
an mir haftende Gedanke:
 
Was nützen mir Flügel,
wenn ich den Wind 
nicht spüren kann!

Ich hab dich nicht gesucht, 
doch gefunden 
und wir sind
wie zwei offene Enden
miteinander verbunden. 

Ich erhebe mich.
Du siehst mich
mit großen Augen an:
Wo willst du hin?!

Nirgendwo! 
sage ich.

Ich bin da,
solange 
du auch da bist.

Behind Closed Doors

Ich bin draußen.
Stehe vor deiner Tür.
Fühlt sich an, 
als wäre ich 
Lichtjahre entfernt 
von dir.

Du bist hinter der Tür.
Spüre, wie mir plötzlich
salzig schmeckende Tropfen
über die Wange rinnen.

Höre, wie es drinnen scheppert,
du wohl wieder am umräumen 
und aussortieren bist.
Immer irgendwas zu tun. 
Und, wie du immer sagst
du hast keine Zeit zu ruhen. 

Vielleicht mit einer der Gründe,
warum ich jetzt hier draußen
und nicht da drinnen,
bei dir. 

Wie eine unbezwingbare Mauer
erscheint sie mir,
die sonst immer schwer zu schließende
alte Eichentür.

Höre, wie dein Telefon klingelt
und halte den Atem an,
dann gehst du dran.
Stille!
Dann höre ich dich lachen.
Doch nicht ich bin es, 
der dich zum lachen bringt.
Nicht mehr. 

Ich gehe jetzt,
denke ich 
und halte noch einen Moment inne.
Dann klingelt mein Telefon.
Ich schaue aufs Display,
bevor ich sehen kann, 
wer es ist...
schon zu spät.
Das Display ist schwarz.
Der Akku ist leer!

The Places You Have Come To Fear The Most

Und so verweile ich 
immer noch hier, 
an dem Ort, 
wo alles begann.
Ja, so fühlt es sich 
auch tatsächlich an,
als ob hier Alles begann.
Und jetzt, 
Gedanken, die wie Scherben
vor mir liegen
und sich Stück für Stück 
zusammen fügen. 

Und so endet es wohl auch hier. 
Ohne dich, 
allein mit mir. 
Ich weiß es noch genau,
wir tranken billigen Fussel 
aus dem Tetra Pack,
doch durch dich 
bekam er einen
erlesenen Geschmack. 

Und jetzt, ja jetzt 
schmeckt er fad 
und schal wie Essig,
wie überhaupt
alles ohne dich.

Ich muss hier weg, 
dass weiß ich schon lange,
doch bei dem Gedanken,
was dann kommt,
wird mir jetzt schon
Angst und Bange.

 

Liebe!

Eine Frage, 
die uns wohl alle 
zeitlebens 
immer wieder erneut
aufwühlt, bewegt 
zu Boden wirft
und wieder aufhebt...

Wohin sie geht, 
wenn sie unversehens
verschwindet,
wie eine Feder,
die der Wind 
mit sich trägt.

Urplötzlich 
ist sie weg, 
Zuvor 
konntet ihr kaum
voneinander lassen. 
Und dann 
sprecht ihr davon,
dass es 
unausweichlich ist 
einander zu verlassen. 

Gerade hieß es noch,
erst durch Dich 
ergibt mein Leben
einen Sinn. 
Und gefühlt einen
Windhauch später: 
Ich werfe alles hin. 

Wie ist das möglich? 
Erst 
Einssein 
ja, vielleicht 
sogar daran denken, 
es könnte ein 
"für immer" sein, 
bis zu dem Gefühl 
gemeinsam allein zu sein. 
Aber genau 
das ist es wohl,
was Sie so besonders 
und unvergleichlich macht, 
dass man eben noch,
wie ein gebranntes Kind
das Feuer scheut, 
und sich 
im nächsten Moment 
wie ein Schneekönig 
des Lebens freut. 

Und so 
werden wir sie 
wohl immer wieder 
finden, verfluchen 
und im nächsten
Augenblick wieder
sehnsüchtig 
nach ihr suchen.

Und selbst dann, 
wenn ich wüsste, 
dass am Ende
nichts davon 
übrig bliebe,
gibt es wohl
nichts anderes,
wofür es sich 
so sehr 
zu kämpfen lohnt, 
wie für die Liebe.

 

Warteschleife

Gleich rufe ich sie an,
spüre es gerade
mit jeder Faser meines
Körpers, dass ich 
keine Sekunde länger 
ohne den Klang 
ihrer Stimme sein kann. 

Als sie gestern 
zum Abschied sagte,
bis bald. 
war mir noch nicht bewusst,
dass ich schon heute
fast zerspringe,
voller Sehnsucht. 

Jetzt muss es 
einfach sein,
ganz aufgeregt 
mit zittrigen Fingern
tippe ich 
mich im Kreise drehend
auf das Display. 

Es klingelt*

Ist was? Fragt sie
völlig außer Atem klingend.  

Was ist das?! Denke ich mir
um Worte ringend. 

Dahin ist sie, die ganze Euphorie. 

Ich dachte, ich rufe dich mal an, 
sagte ich mit zittriger Stimme. 

Das ist ja schön und gut,
aber gerade ist es 
irgendwie...schlecht. 
Druckst sie mir entgegen. 

Ach so, ja klar 
ist doch überhaupt 
kein Problem.
Tat ich ganz souverän. 
ich wollte einfach mal 
deine Stimme hören...
Entgegne ich dann 
etwas verlegen.

Gut, dann bis bald! 
Ist alles, was sie erwidert
und legt auf. 

Seitdem ist fast ein Monat
vergangen...
wie lange es wohl dauert, 
bis die Sehnsucht verhallt?
Jetzt noch nicht,
doch wer weiß,
vielleicht ja bald.