Rebell

Ich erinnere mich
noch daran, 
da schrie er lauthals, 
niemals und unter 
keinen Umständen, 
reihe er sich
in dieses menschenunwürdige 
kapitalistische System ein. 
Und jetzt,
gibt es für ihn nichts 
wichtigeres, 
als jeden Morgen
noch vor 
allen anderen Kollegen 
im Büro zu sein. 

Noch vor 
ein paar Jahren, 
war er bei jeder Demo 
ganz vorne mit dabei.
Heute fährt er 
höchstens mal 
mit seinem 
frisch gewachsten 
SUV daran vorbei. 

Früher 
wünschte er sich, 
Teil einer 
Jugendbewegung zu sein!
Heute beklagt er sich 
über mangelndes 
Nationalbewusstsein. 

Und ja, 
vielleicht 
klingt das jetzt 
ein wenig vermessen, 
aber nur, 
weil man "erwachsen" ist, 
muss man noch lange nicht
all seine Ideale vergessen!
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Insomnia

Es ist 4.30 Uhr
der Tag 
ist noch nicht, 
aber ich nunmehr 
schon seit 
drei Tagen wach.

Das Kopfkino 
ist mal 
wieder lauter,
als der Wille 
zum Schlaf.

Aus dem Fenster schauen,
draußen,
wie auch drinnen 
beginnt das  
Morgengrauen.

Da hilft 
nur noch aufstehen
und raus gehen
fahren, fahren
auf der Autobahn. 
Aus der Dunkelheit
in die 
einzige Wirklichkeit,
die Einsamkeit. 
Wie vernebelt 
fahre ich,
durch die 
zuerst vertraut 
und dann immer 
mehr befremdlich 
wirkenden Straßen,
höre den Regen,
wie Nadelstiche 
gegen die Scheibe prasseln.

Für einen Moment 
denke ich,
der Nebel lichtet sich,
doch die innere schwärze
nimmt mir das Licht. 

Halte das Lenkrad fest
in der einen und 
Kaffee und Kippe
in der anderen Hand. 

Und was, 
wenn man einfach
unaufhörlich 
den Atem anhält,
weil allein
der Tod 
den Zeiger 
wieder zurück
auf Null stellt. 

Wir haben nichts
zu verlieren,
außer unserer Angst. 

Halte das Lenkrad fest,
mach die Augen zu,
zähle langsam 
bis drei. 
Vor meinem Inneren Auge
zieht mein Leben
an mir vorbei.

Totale Finsternis! 
Spüre, wie mein
Herz schlägt
und in diesem
Moment ist da 
irgendwas, 
was mich 
zum öffnen
der Augen bewegt. 

Im Bauch 
wächst die Wut.
War das jetzt  
mein freier Wille, 
oder doch nur
der fehlende Mut. 

Und ja, 
ich weiß, 
Depression
war und wird 
nie tragbar,
aber sie 
steht uns 
doch so gut. 

Da kannst du
noch so viele
Traumfänger knüpfen,
sie mir 
wie ein Mahnmal 
an den Rückspiegel hängen
ich werde doch nicht 
in deine 
Haus, Hund und Garten 
Rolle schlüpfen. 

Du sagst immer, 
mach die Augen auf,
du musst endlich anfangen,
nach vorne zu schauen. 
Doch damit hat er 
überhaupt erst begonnen,
der einen von innen 
zermürbende Alptraum!

Bis einer geht.

Wir reden nun 
schon stundenlang 
ohne etwas 
zu sagen,
geschweige denn
zu fragen, 
einfach zu groß,
die Angst, 
die Wahrheit
zu erfahren. 

Immerhin 
fühlt es sich 
nicht ganz 
so schlimm an, 
wie die Tage zuvor, 
als wir 
uns stundenlang
gegenüber saßen
und schwiegen. 

Ob wir so lange
einfach irgendwas
reden können, 
bis alles gut ist,
wie es ist.

Doch wann, 
war das eigentlich
und wie lange würde
es wohl dauern, 
bis wir wieder 
dort wären
wo wir jetzt sind
uns einmauern
im luftleeren Raum. 

Und plötzlich 
ist es still,
weil keiner 
von uns 
sich weiter
im Kreise 
drehen will. 

Wird Zeit
umzudrehen, 
es bringt nichts 
gemeinsam 
immer wieder 
und wieder
den Abspann 
vor Augen 
zu sehen.

Liebe!

Eine Frage, 
die uns wohl alle 
zeitlebens 
immer wieder erneut
aufwühlt, bewegt 
zu Boden wirft
und wieder aufhebt...

Wohin sie geht, 
wenn sie unversehens
verschwindet,
wie eine Feder,
die der Wind 
mit sich trägt.

Urplötzlich 
ist sie weg, 
Zuvor 
konntet ihr kaum
voneinander lassen. 
Und dann 
sprecht ihr davon,
dass es 
unausweichlich ist 
einander zu verlassen. 

Gerade hieß es noch,
erst durch Dich 
ergibt mein Leben
einen Sinn. 
Und gefühlt einen
Windhauch später: 
Ich werfe alles hin. 

Wie ist das möglich? 
Erst 
Einssein 
ja, vielleicht 
sogar daran denken, 
es könnte ein 
"für immer" sein, 
bis zu dem Gefühl 
gemeinsam allein zu sein. 
Aber genau 
das ist es wohl,
was Sie so besonders 
und unvergleichlich macht, 
dass man eben noch,
wie ein gebranntes Kind
das Feuer scheut, 
und sich 
im nächsten Moment 
wie ein Schneekönig 
des Lebens freut. 

Und so 
werden wir sie 
wohl immer wieder 
finden, verfluchen 
und im nächsten
Augenblick wieder
sehnsüchtig 
nach ihr suchen.

Und selbst dann, 
wenn ich wüsste, 
dass am Ende
nichts davon 
übrig bliebe,
gibt es wohl
nichts anderes,
wofür es sich 
so sehr 
zu kämpfen lohnt, 
wie für die Liebe.

 

netzabhängig

Kürzlich sprach mich 
auf der Straße jemand an, 
fragte mich, ob ich ihm mal 
mein Handy leihen kann. 
Ich verstand erst nicht, 
dachte, er will mich bestehlen
und sagte hey, das ist nicht 
einfach nur ein Handy, 
darin verbirgt sich ein Teil 
von meinem Leben. 

Doch, ich war ganz gebannt, 
als ich seinen wahren 
Beweggrund verstand. 

Er war auf der Suche nach einem
Ort; "wo das nicht ankommt". 
Einen Ort ohne Netzempfang?!
Ich will mich ja nicht 
zu weit aus dem Fenster lehnen, 
aber für viele wäre das wohl so,
als würde man ihnen die Luft
zum atmen nehmen. 

Wie soll das gehen? 

Dann müsste man sich ja 
wieder mit sich selbst
beschäftigen, vielleicht  
ein Buch zur Hand nehmen 
oder gar miteinander reden.

Die Idee ist gut, 
denke ich,
Blicke kurz vom Bildschirm auf,
für den Anfang lösche ich gleich 
mal meinen Browserverlauf.

Momentum

Wir beschleunigen das Leben,
in der Angst, 
wir könnten etwas verpassen. 
Jedoch, 
gerade weil wir  
es beschleunigen 
verpassen wir es. 

Wir wollen alles
und das zur gleichen Zeit.
Doch dabei verlieren wir 
den Bezug zur wahrhaftigen
Wirklichkeit. 

Dereinst ging es 
den Menschen 
draußen in der Natur 
um das wundervolle 
Zusammenspiel von Farben. 
Heute ist es es den meisten 
viel wichtiger, 
ob sie dort auch 
Internetzugang haben.